Japan

Nach Japan kamen wir mit gemischten Gefühlen. Zuvor erzählten uns Reisende, es wäre das teuerste Land überhaupt. Jedoch sei es auch unglaublich schön dort (was zumindest landschaftlich stimmt). Früh um 4 Uhr flogen wir von Bangkok nach Tokio. Wobei es nicht an den zentralen, sondern den 60 Kilometer entfernten Provinzflughafen ging.

Für die erste Nacht buchten wir uns das günstigste Zimmer in Yokohama, was irgendwie Tokio ist, aber eigentlich eine eigene Stadt. Der Ballungsraum Tokio hat 37 Millionen Einwohner und bildet somit die größte Stadt der Welt. Die Preise für Wohnraum sind extrem hoch, sodass man für ein Zimmer am Stadtrand schnell bei umgerechnet 700€ liegt. Dementsprechend teuer sind die Hostels. Unter 35€ findet man nichts.

Am zweiten Tag fuhren wir dann mit der U-Bahn, (deren Tickets man ausschließlich mit Bargeld bezahlen kann, Thema Fortschritt) einmal quer durch die Stadt. Das dauert mindestens 2 Stunden. Dort empfing uns Sayaka, die Victoria über Couchsurfing kennengelernt hat. Sie wartete mit ihren beiden Söhnen am Bahnhof auf uns. Bei ihrer Familie blieben wir für 3 Tage.

Sayaka sprach relativ gut englisch. Sehr untypisch für Japaner die es zwar meistens können, aber sich nicht trauen, da extrem schüchtern, was für uns ziemlich unangenehm ist. Sie und ihr Mann Gotschy sind aber nicht wie die typischen Japaner. So wie alle ihre Landsleute, die eine Weile im Ausland waren. Die beiden sind in ihren Flitterwochen für 6 Monate durch Europa gereist. U.a. durch Deutschland, wo man die Deutschen als extrem unfreundlich empfunden hat. Sie waren mit dem Zug unterwegs und die Dame am Schalter muss wohl sehr ungestüm gewesen sein. Nach 10 Monaten auf Reisen kann ich das bestätigen. So unfreundlich wie in Deutschland wird man nirgendwo behandelt.

Sayaka und ihre Familie waren im Nachhinein die besten Japaner, die wir kennenlernen durften. Wir hatten eine schöne Zeit bei ihr, Gotschy und ihren Söhnen Oto und Yo ❤.

Nachdem wir uns dann etliche Sachen angeschaut hatten (bei wiedermal 35°Grad), ging es für uns zum nächsten Gastgeber.

Yuji ist so alt wie wir. Er wohnt in einer Einzimmerwohnung mitten in Tokio. Dementsprechend eng war die Nacht. Egal, Hauptsache kostenlos. Er arbeitet täglich mindestens 13h. Zufrieden ist er nicht und träumt davon, eines Tages nach Kanada auszuwandern.

So genau weiß ich auch nicht wie ich die Japaner finden soll. Die Leute, die mal außerhalb des Landes waren sind komplett „normal und offen“. Aber die meisten hier leben nur für die Arbeit. Wobei das nicht heißt, dass sie den ganzen Tag schaffen. Sie sind halt einfach den ganzen Tag auf Arbeit.

In der U-Bahn wird nicht geredet. Die Leute empfinden es als unhöflich. Einmal sitzen wir mit Franzosen im Wagon, welche so laut erzählten, wie ich es mit meinen Freunden auch machen würde. Zack, saßen wir mit denen alleine. Alle Japaner waren geflüchtet.

Die Menschen hier sind zwar nett, aber gefühlt nur, weil sie es müssen. Es schwimmt immer eine gewisse Arroganz mit. Aber was uns am meisten auffällt ist die extreme Schüchternheit der Leute. Die Menschen, egal in welchem Alter, leben in ihrer eigenen Welt. Lesen den ganzen Tag Comics und wenn man neben ihnen steht, springen sie oft weg, wie Grashüpfer.

Japan weist eine der höchsten Selbstmordraten auf. Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation zufolge ist die Selbstmordrate 60 Prozent höher als der weltweite Durchschnitt (Lu, 2015). In diesem Land begehen durchschnittlich 70 Menschen täglich Selbstmord, darunter eine beunruhigende Zahl von Kindern (ibid.).“

Was sich mit der Isolierung durch die Maßnahmen in der Pandemiezeit nochmal verschlimmert hat. Und das hier was nicht stimmt, merken wir ganz deutlich.

Nachdem wir über 80 Postkarten an Freunde/Unterstützer/Wegbegleiter geschrieben hatten, ging es für eine Nacht nach Nagoya zum Pakistani Faizan. Über ein Stipendium kam er nach Japan um hier zu studieren. Wir kommen sehr gut mit ihm klar und erzählen viel. Er macht uns seine Heimat schmackhaft.

Faizan hätte gerne eine Freundin, kann jedoch einfach keinen Kontakt knüpfen. Manchmal geht er auf Studentenpartys, dort machen die Japaner aber ihr eigenes Ding. Schade für ihn, weil er eigentlich voll in Ordnung ist.

Dann ging es nach Kyōto. Das Besondere an der Stadt? Sie wurde als Einzige von den Amis nicht in Schutt und Asche gelegt. Aus einem simplen Grund. Die Ehefrau eines hohen amerikanischen Offiziers kam aus der Stadt.

Hier treffen wir den Neuseeländer Topher und den Chinesen Cho. Sie kümmern sich um ein Hostel in dessen Keller wir (fast) kostenlos schlafen durften. Christopher spricht 5 Sprachen fließend. Unter anderem Deutsch. Wir sprechen 2 Tage ausschließlich Englisch und er Deutsch, so konnten alle ihre Grammatik etwas verbessern.

In Osaka waren wir 2 Nächte beim Mexikaner Roberto. Der arbeitet als Touristenführer. Er war eigentlich ganz nett, aber bei besoffenen Latinos muss man definitiv auf seine Freundin aufpassen. Von 6 Mal Couchsurfing, war er definitiv die schlechteste Erfahrung für uns.

Und so waren wir dann nach 2 Wochen froh, Japan wieder verlassen zu können. Kann man sich mal angucken. Reicht dann aber auch. Sollte nicht zu hoch bewertet werden. Sicherlich klappen dort Sachen wie Bahnfahren/Digitalisierung/Fußball usw. besser als bei uns, das Maß der Dinge sind sie jedoch bei Weitem nicht. Dann lieber Thailand, wo alle arm, aber zufrieden sind.

Mit der Fähre (58€p.P) ging es von Fukoka (Japan) zurück nach Busan (Südkorea). Als ich gerade auf dem Oberdeck saß und mich freute, dass die Wellen erträglich sind, gesellte sich Rüdiger zu mir. Er ist in Brandenburg geboren. Nachdem er 3 Mastertitel-und einen Doktortitel erreichte, ging es für ihn in den Vorstand als Finanzberater eines Konzerns in Köln. Nachdem er seinen besten Freund, der dann an Krebs starb, für die letzte Zeit pflegte, hatte er die Schnauze voll von 70h Wochen. Seit über 4 Jahren ist er nun auf dem Fahrrad unterwegs, in 54 Ländern. Er hat 2 Wohnungen in Berlin und Köln. Durch die Miete kann er sich ein gutes Leben auf dem Fahrrad leisten. Seit dem Sommer in Indonesien hat er komische Punkte auf der Haut, deswegen fährt er jetzt nach Deutschland zurück zum Hausarzt.

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