South Korea

Schon in Japan hatte Victoria Kontakt zu einem älteren Herren aufgenommen, der uns gerne aufnehmen würde. Nach der letzten schlechten Erfahrung, hatten wir eigentlich kein Interesse mehr daran, aber es ist nunmal um einiges günstiger wenn man sich kein Zimmer buchen muss.

Nach kurzem Warten am Hafen in Busan, der zweitgrößten Stadt Südkoreas, kam ein Taxi angefangen und unser Gastgeber stieg aus.

Es sollte der Beginn von 2 sehr schönen, ja auch unvergesslichen Wochen werden. Han ist 56 Jahre alt. Eigentlich lebt er in der Hauptstadt Seoul, wurde aber nach Busan versetzt. Er arbeitet als Ingenieur für ein Unternehmen, was in Zusammenarbeit mit der Regierung Tunnel, Brücken usw, Infrastruktur eben, plant.

Es ist das erste Mal, dass er Gäste bei sich aufnimmt. Er hat hier im Süden in 4 Jahren leider keinen Anschluss gefunden und deswegen probiert er jetzt Couchsurfing aus. Leider kann er kaum englisch, aber Mithilfe der Google Übersetzer Sprachfunktion war es kein Problem.

Ich hatte es zuvor 6 Wochen lang geschafft, sowohl in Thailand als auch Japan, bleifrei unterwegs zu sein. Eigentlich wollte ich die 2 Wochen Korea auch noch schaffen, damit ich 2 Monate voll hätte. Viel mehr ging es dabei um den finanziellen, als um den gesundheitlichen Aspekt. Die Maxime lautet halt 10 oder gar keins.

Jedoch merkten wir schnell, dass unser Gastgeber auf der Suche nach einem geselligen Gefährten ist, mit dem er seine Leidenschaft teilen kann.

Für eine Woche sah unser Tag also so aus… In Han seinem Apartment die Stellung halten, ehe er ca 13 Uhr von Arbeit kommt. Dann bis 21 Uhr Sightseeing mit ihm. Er machte sich sehr große Gedanken, was er uns alles zeigen kann. Und so klapperten wir gemeinsam jede Sehenswürdigkeit in Busan ab. Danach ging es in die verschiedensten Restaurants zum Abendessen. Anschließend zeigte er uns sämtliche Bräuche der Trinkkultur in Südkorea. Wie im Foto: junge Menschen schenken alten Menschen mit 2 Händen ein. Anders rum bloß mit einer Hand.

Schnell wuchs uns Han ans Herz. Zu seiner Familie hat er leider keine gute Beziehung. Seine beiden Kinder, die in unserem Alter sind, gehen ihm aus dem Weg und mit seiner Frau streitet er sich nur noch. Die Kinder leben in Südkorea bis zur Heirat im Elternhaus. Es ist also normal, dass sie erst mit 30 Jahren ausziehen.

Südkorea ist extrem wohlhabend. Es ist flächenmäßig etwa genauso groß wie die ehemalige DDR, hat dafür aber Firmen wie LG, Samsung, Hyundai, SK usw. Gefühlt ist hier jede S-Klasse ein Maybach.Also es ist das erste Land in dem wir sind, was Deutschland nicht nur einen Schritt voraus ist.

Han bestand darauf uns überall einzuladen. Wir mussten ihn bremsen und gelegentlich durften wir ihm immerhin einen Kaffee ausgeben.

Am Wochenende kam ihn ein Freund aus Seoul besuchen. Die beiden hatten zusammen studiert. Lee hat sich dann vor 25 Jahren als Ingenieur selbstständig gemacht. Heute ist er Chef von 75 Ingenieuren und betreut weltweit Baustellen. In Berlin ist er am liebsten in dem Hotel mit dem großen Aquarium, welches ja leider nicht mehr ist.

Lee Hyung Hoon ist genauso ein klasse Typ. Man merkte, dass er finanziell in anderen Gewässern schwimmt, ohne dass er dabei überheblich wurde. 2 seiner 3 Kinder gehen nicht arbeiten. Brauchen sie einfach nicht. Er bezahlt alles. Eigentlich sollte sein Zug zurück nach Seoul um 8 fahren, er buchte aber um und nahm den Letzten um Mitternacht. War auch ein super Abend mit ihm.

Dann war es an der Zeit auf Wiedersehen zu sagen, da in einer Woche schon unsere Fähre nach Wladiwostok fuhr und wir, um diese zu kriegen, nach Donghae, 500km nördlich mussten.

In Pohang, einer Stadt auf dem Weg versuchten wir den Antrag auf das Chinavisum zu stellen. Ursprünglich wollten wir es in Wladiwostok beantragen. In der Stadtverwaltung stehen Computer zur Verfügung, die jeder kostenlos nutzen darf.

Die Chinesen haben da sehr genaue Vorstellungen, z.B wie die Bilder aussehen müssen. Schnell kam jemand um uns zu helfen. Mit ihm sind wir auch gleich zum Fotografen. Als wir nach 3 Stunden fertig waren und den Termin im chinesischen Konsulat in Wladiwostok beantragen konnten, wurde uns als nächst möglichen Zeitpunkt Mitte Oktober vorgeschlagen, was viel zu spät wäre.

Am nächsten Tag riefen wir beim chinesischen Visacenter, einer Abteilung des Konsulates in Busan an. Dort konnten wir tatsächlich kurzfristig einen Termin für Freitag bekommen. Behördentelfonate auf englisch waren für beide Parteien Neuland, hat aber letztendlich geklappt.

Also riefen wir unseren Freund Han an. Der sei zwar übers Wochenende in Seoul, wir können aber gerne wieder in seine Wohnung einziehen.

Bei unserem ersten Besuch bei ihm, bestand er immer in den frühen Morgenstunden drauf, alle PIN’s zu üben.

Obwohl wir das Visum für China ohne Hilfe einer Agentur und mit Stempeln von Kazakhstan und der Türkei in unseren Pässen beantragt haben, hat es funktioniert.

Freitag Mittag abgegeben und Montag Nachmittag fertig abgeholt. Geiles Gefühlt wenn man soetwas in einem fremden Land alleine gebacken bekommt.

Dann war es leider wieder Zeit Abschied zu nehmen. Dieses Mal leider wirklich zum letzten Mal. Aber falls wir mal heiraten sollten, kommt uns Han in Deutschland besuchen.

Anbei mal wieder ein paar Fotos, von dem was wir noch so erlebt haben. Darunter geht es weiter…

Wer Robbie Williams, Mariah Carey und Phil Collins gesungen hat dürfte klar sein. Beim Karaoke geht es nicht um Textsicherheit , sondern den puren Willen zu Gewinnen und 100% Leidenschaft.

Wir werden Südkorea in sehr guter Erinnerung behalten. Die Menschen sind uns sehr ähnlich (Vielleicht nicht optisch). Ordentlich Arbeiten, wo auch was bei rum kommt, aber sich dann auch mal ordentlich gönnen! Sehr sehr tolle Menschen!

Südkorea>Japan

Zum Schluss noch unsere Liste mit Notizen über Südkorea. Ein Land, über das wir sehr viel Erfahren haben.

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