In der Nacht zum 31.12.23 standen wir irgendwo am Stadtrand von Johor Bahru. Früh bemerkte ich, wie ein Mann um unser Auto schlich und 10 Minuten später stand eine Frau mit einem Tablett Kaffee und Keksen vor uns. In einem ziemlich strengen Ton lud sie uns zu sich auf eine Dusche und Frühstück ein.

Die beiden sind chinesischer Abstammung. Zum Frühstück gab es Hähnchen und Kartoffeln, welche hier in Südostasien als Delikatesse gelten. Die Frau war fast taub und der Mann fast blind. Sie haben sich also gut ergänzt. Später sind wir dann noch mit der Frau spazieren gegangen. Neben ihrem Haus ist ein Gestüt, in dem die Prominenz aus Singapur ihre Pferde stehen hat. Dann ging es noch in die Mangroven, wo wir zum ersten Mal Schlammspringer sahen.

Wie so häufig in Asien konnten wir auch bei ihr einen ausgeprägten Rassismus erkennen. Sie wetterte ständig gegen die Rakhine, einer ethnischen Gruppe aus Myanmar, die angeblich nur Unheil mit sich bringt. Später liefen wir an einer Gruppe Bangladeshi oder Filipinos vorbei, die gerade eine Pause vom Rasenmähen machten. Sie zeigte mit dem Finger auf sie und da sie so schlecht hört, sprach sie extrem laut, was diese natürlich hörten. Es ging um ihre dunkle Hautfarbe, die bei Chinesen verpönt ist. Victoria und ich sind vor Scham fast im Boden versunken. Da wird einem klar, was es für ein Privileg ist, als „Weißer“ zu reisen. Wären die Leute zu uns auch so gastfreundlich, wenn wir ein anderer Phänotyp wären?


Abends ging es mit dem Bus nach Singapur um dort ins neue Jahr „zu rutschen“. Da Alkohol hier extrem teuer ist, hatte ich mir, in weiser Voraussicht, in Thailand einen 6er-Träger gekauft, den ich mir dann mitnahm. An der Grenze musste ich darauf dann noch Steuern bezahlen. Zwar hatte ich beim Preis etwas geflunkert und gesagt, ein Bier hätte bloß 50 Cent gekostet, trotzdem mussten wir fast 10€ nachzahlen. Natürlich haben wir dadurch auch unseren Bus verpasst und mussten 1h auf den Nächsten warten.

Privates Feuerwerk ist hier verboten und auch so war es keine schöne Stimmung. Es waren viel zu viele Menschen unterwegs, die schnell begannen, uns auf die Nerven zu gehen. Die Polizei war nach dem Feuerwerk maßlos überfordert und irgendwann durchbrachen die Leute alle Absperrungen, wodurch sich der Trubel innerhalb weniger Minuten auflöste. Also wer mal nach Singapur will, dem empfehle ich nach ein paar Tagen Sightseeing definitiv ins Nachbarland Malaysia zu reisen. Sehenswert ist der Stadtstaat trotzdem.
Am 2.1. sollte unser Flug nach Borneo gehen. Deswegen suchten wir einen sicheren Platz für unser Auto. Da sie zu uns sehr nett war, fuhren wir wieder zu unserer chinesischen Bekannten, die natürlich kein Problem damit hatte, den Vito für eine Woche bei sich stehen zu lassen.

Für unschlagbare 37€ fliegt man mit AirAsia, die übrigens aus Malaysia kommen, vom Provinzflughafen Senai nach Kuching auf Borneo. Die meisten Einheimischen haben eine kostenlose Mitgliedschaft. Damit kostet der Flug nur 6€. Last-Minute Flüge sind manchmal gänzlich kostenlos. Da bei unserer Ankunft gerade ein Sturm über den Flughafen fegte, ging es nach ein paar Ehrenrunden erstmal zum Zwischenstopp nach Sibu. Mit knapp 2h Verspätung waren wir dann in Kuching.

Borneo ist die größte Insel Asiens und doppelt so groß wie Deutschland. Neben Indonesien sind im Norden noch 2 malaiische Bundestaaten und das kleine Land Burnei Darussalam. Alle 3 Länder sind vorwiegend muslimisch.


Kuching heißt übersetzt Katze und ist eine der wenigen asiatischen Städte auf unserer Reise mit richtigem Flair. Hier gibt es mal so etwas wie eine Altstadt und eine sehr einladende Promenade. Durch Konzerne wie Petronas und AirAsia wird in Malaysia eine Menge Geld in die Kassen gespült. Während andere Länder ihren Regenwald rigoros abholzen um Palmenplantagen anzulegen, kann es sich Malaysia leisten, den Jungle zu erhalten. Zum ersten Mal seit China sehen wir hier echten Regenwald.


Etwas südlich von Kuching beginnt der Regenwald, wo Ranger eine Futterstelle eingerichtet haben. Da die Bäume jetzt im „Winter“ keine Früchte tragen, lassen sich dort gelegentlich ein paar Orang-Utans blicken. Hier gibt es ca 30 dieser freilebenden Primaten, wovon 16 regelmäßig an die Futterstellen kommen. Insgesamt gibt es noch ca.16.000 auf Borneo und Sumatra. Der Ranger, wessen Passion für die Tiere fast greifbar war meinte, wer einen Orang-Utan sieht hat großes Glück. Wer 2 sieht hat den Jackpot. Und wir hatten den Jackpot. Bestimmt haben Zoo’s auch ihre Vorteile, aber wer die Tiere einmal in ihrer natürlichen Umgebung gesehen hat, kann für ihre Artgenossen in Gefangenschaft nur noch Mitleid empfinden. Ähnliches Missverständnis habe ich für Leute, die sich mit angeketteten Elefanten und Makaken z.B in Thailand fotografieren lassen. Ihr und euer Geld seid der Grund für das Elend dieser Tiere.


Unser Ziel war viel weniger Indonesien, welches unser 25. Land auf der Reise war, sondern der Äquator. Der Gleicher tangiert die Stadt Pontianak. Diese ist mit ihren 600.000 Einwohnern damit eine, von bloß 3 Großstädten weltweit, durch die der Äquator verläuft. Ursprünglich sollte die Busfahrt von Kuching nach Pontianak 7h dauern. Durch etliche Pausen, Pannen und blockierte Straßen hatten wir es dann nach 11h geschafft.


Es ist unglaublich, wie innerhalb weniger Meter so krasse Unterschiede herrschen können. Angekommen auf der indonesischen Seite der Grenze, wurden wir sofort von etlichen Händlern bedrängt. Der Grenzübergang glich einem Bazar. Schlagartig war niemand mehr der englischen Sprache mächtig, wo wir davor doch selbst mit rüstigen Rentnern kommunizieren konnten. Bisher verlangten nur Länder, die sonst nicht viel auf die Kette bekommen, an der Grenze Geld für das Visum. So auch Indonesien.

Als wir spät abends am Busbahnhof ankamen, welcher noch 15km von unserer Unterkunft entfernt war, bedrängten uns so lange Taxifahrer, bis wir klein bei gaben. In Indonesien muss man um eine SimKarte kaufen zu können, einen Antrag beim Zoll stellen und eine hohe Gebühr zahlen. Ohne Internet lässt sich auch kein „Grab“ oder „Maxim“ buchen. Das sind Apps, wo man private Taxifahrer buchen kann. 20% des Preises müssen diese dann an das Unternehmen abtreten. Wo ein Taxi 10€ kostet, zahlt man bei den privaten 2€. Busse fahren sowohl in Malaysia als auch Indonesien nicht.



Neben dem Äquatormonument waren wir beide die größte Sehenswürdigkeit in Pontianak. Victoria wird hier im Islam von den Frauen gefeiert. Sie freuen sich über ihr offenes, blondes Haar und ihre sichtbaren Beine und Schultern. Das hatten wir etwas anders erwartet. Ständig kamen Mütter mit ihren Töchtern und wollten Fotos mit ihr machen.


Nachdem wir unser Ziel erreicht hatten, wollten wir so schnell wie möglich zurück nach Malaysia. Mit dem Reisebus ging es über Singkawang zurück nach Kuching. Immerhin ist es eine schöne Runde geworden.

Zurück in Kuching hatten wir uns vorgenommen den „Bako-Nationalpark“ zu besuchen. Dort gibt es die letzten freilebenden Nasenaffen. Also besorgten wir uns für einen Tag einen Roller und fuhren zur Halbinsel, von wo aus man nur mit einem Boot zum Reservat kommt.

Das Boot teilten wir uns mit einem chinesischen Pärchen. Was etwas ungewöhnlich war, da sie alleine waren. Dazu jetzt mal unsere Erfahrungen. Chinesen erkennt man immer daran, dass sie nur in großen Reisegruppe reisen. Die haben dann immer alle den selben Hut oder das selbe Nikki an. Der Guide geht vorne weg und trägt eine Fahne. Alleine kommen die Chinesen überhaupt nicht zurecht. Auch dieses Pärchen blieb 3h am Hafen sitzen, bis es wieder abgeholt wurde. Selbst als wir durch China gefahren sind, fiel es uns oft auf, dass die immer jemanden brauchen, der ihnen sagt, wie es weiter geht. Z.B bei engen Stellen, wo nur ein Auto durch passt. Die stehen sich gegenüber und gucken sich an und wissen nicht wer zuerst fahren soll und bleiben einfach stehen. Auf Wanderungen hört man ausschließlich von Chinesen die verloren gehen, weil die sich einfach nicht orientieren können.
Zurück im Nationalpark. Wir haben unsere deutsche Pünktlichkeit gegen die asiatische Gelassenheit getauscht und so waren wir mal wieder erst Mittags zu gegen. Wir konnten den Bootsfahrer überreden, eine Stunde länger auf uns zu warten. Sonst wäre das letzte Boot um 3 schon wieder zum Festland gefahren. Als halb 3 die letzten wenigen Leute die Insel verließen, waren wir die Einzigen, die noch da waren.





Wir hatten lediglich ein paar Makaken gesehen. Nichts besonderes in Malaysia. Die gibt es hier teilweise wie Straßenhunde. Außerdem Einsiedlerkrebse, Eichhörnchen und fleischfressende Kannenpflanzen. Das letzte Stück, wo die Chancen gut waren, einen Nasenaffen zu sehen, war der Waldboden so nass und tief, dass man komplett lautlos laufen konnte. Neben uns erschreckte sich ein Waran so doll, dass er sich erstmal überschlug und dann weg rannte. Tolle Tiere. Als wir die Hoffnung schon aufgaben, hatten wir dann doch noch Glück. Erst hörten wir 2 Affen durch die Baumkronen springen. Einer davon zeigte sich dann für ungefähr 5 Sekunden. Die Silhouette der markanten Nase, die nur die Männchen haben, war ganz deutlich zu erkennen. Dann war er sofort wieder verschwunden. Hier ein Foto von Google.

Unsere Euphorie wurde schnell gebremst, als mich ein Insekt stach und ein bis dahin unbekannter Schmerz meinen Arm taub werden ließ. Da soll man dann immer ruhig bleiben, aber 2h entfernt vom nächsten Krankenhaus ist das leicht gesagt. Unser Bootsfaherer begutachte den Stich und meinte, alles halb so wild. Er zog aus seiner Bauchtasche eine Creme, die wie Murmeltiersalbe roch und strich liebevoll meinen Arm ein. Auf dem Rückweg sahen wir auf dem Festland einen Waran, der sich über die komplette rechte Straßenhälfte erschreckte. Die Tiere haben die Ruhe weg, aber wenn man ihnen zu nah kommen, verschwinden sie sofort. Die Echsen sind auch bei den Einheimischen äußerst beliebt.



Am nächsten Tag ging es mit AirAsia zurück nach Johor Bahru. An die Vielflieger. Ist das normal mit der Klimaanlage?
Eigentlich wollten wir gleich weiter, aber die chinesische Dame, welche auf unser Auto aufpasste, hatte die Zeit genutzt, um sich sämtliche Dinge einfallen zu lassen, was sie uns denn zeigen könnte. Wir blieben noch 2 Nächte bei ihr. Sie ist etwas naja, anstrengend, aber sie meint es nur gut. Den ersten Tag sind wir mit ihrem Auto gefahren und hatten eine Verfolgungsjagd, da sie ein anderes Auto angefahren hatte. Es war nur ein kleiner Kratzer, was bei den Autos hier überhaupt nicht mehr auffällt. Der Typ wollte auch bloß eine Entschuldigung. Am Ende hat unsere „Freundin“ ihm so Feuer gegeben,und das ganze mit ihrem Behindertenausweis untermauert, dass der Kunde sich fast bei uns entschuldigte. Auch mir passierte es, dass mich ein Malaiie verfolgte. Als ich abbiegen wollte, war es für einen Rollerfahrer scheinbar zu knapp. Er drehte um und verfolgte mich. An der nächsten Ampel brüllte er mich an: „You want to kill me!“ (Du willst mich töten). Ansonsten genießt man hier als „Caucasian“, so werden Europäer hier genannt, alle Freiheiten und die Malayen sind besonders achtsam.

Mehrmals täglich sind wir zu ihrem Lieblings-Inder gefahren, wo sie schon bekannt war. Das Essen war gut, aber sie hat immer was zu meckern. Der Chef sagte mir, sie kommt täglich und es gäbe immer Probleme. Laut ihr sind die Inder sowieso alles Vergewaltiger. Genauso wie die meisten anderen Randgruppen gegenüber denen sie viele Vorurteile hat. In der zweiten Nacht bei ihr, dachten wir, ihr Mann würde sie erschlagen (was ich ihm nicht übel nehmen könnte). Jedoch war es mal wieder eine Python, die versuchte sich ein paar Hühner zu holen. Der Mann schlug sie in die Flucht. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der Familie. Zu uns war sie sehr nett und einladend, aber eigentlich kann man so nicht durchs Leben gehen, gerade wenn man taub ist.
Wir hatten noch nicht genug vom Jungle, also machten wir uns auf zum Taman Negara Nationalpark. Dieser ist mit 130mio. Jahren einer der ältesten Laubregenwälder.





Die ersten 3 Stunden war alles super. Neben ein paar Rehen sahen wir überdurchschnittlich große Makaken. Richtige Kraftpakete. Als wir dann bei einer Hütte ankamen, wo wir eine Pause machten, bemerkten wir, dass unsere Körper übersät von Blutegeln waren. Diese saugten sogar durch die Klamotten durch. Ich hatte mehrere richtig Fette an mir. Man merkt nicht wenn sie an einem hängen. Es tat auch überhaupt nicht weh. Wenn man die Egel weg nehmen wollte, saugten sie sich gleich an die Finger. Die Stellen hörten durch die hohe Luftfeuchtigkeit und den Schweiß nicht auf zu bluten. Als wir später darauf achteten, sahen wir, wie die Viecher überall auf dem Boden stehen und darauf warten, sich an die Schuhe zu hängen.
Vom Taman Negara ging es zu den Cameron Highlands. Auch hier war wieder Wandern angesagt. Jedoch ist es hier Malaysias Tourihochburg. Deswegen ist man nicht ganz so ungestört unterwegs, wie sonst. Immerhin gab es hier keine Blutegel.



Wir schliefen auf 1.700m. Die zwei Nächte bei 14 Grad taten unglaublich gut. Danach warteten unten im Tal wieder 33°C auf uns. Seit 3 Monaten haben wir jeden Tag über 30°C und Nachts nur selten unter 25°C. Im Auto funktioniert auch seit Beginn der Reise die Klimaanlage nicht. Die Reparatur wäre wohl sehr zeitaufwendig und teuer, da niemand weiß wo das Leck ist.
Von den Highlands aus ging es nach George Town. Malaya war eine britische Kolonie. Neben dem Linksverkehr erkennt man auch sonst oft den englischen Einfluss. Da Asiaten sehr gut im Vergeben und Vergessen sind, ist Großbritannien heute das große Vorbild. Unter der britischen Krone waren die Chinesen in den Fabriken am ranghöchsten. Dann folgten die Malayen und ganz unten die Inder/Bangladeshis. Nach dem Abzug der Britten rutschten alle in der Hierarchie nach oben. Heute sind die Chinesen Eigentümer der Firmen, wobei in größeren und vor allem regierungsnahen Firmen mindestens 51% Malayen angestellt sein müssen. Nach wie vor verrichten Inder, Bangladeshi, Philippinos und Indonesier die niederen Tätigkeiten. Die Chinesen genießen demzufolge in der Gesellschaft auch das höchste Ansehen, da sie im Sinne Malaysias wirtschaften und sich nicht als Chinesen, sondern als Malayen identifizieren und das Geld im Land bleibt.
Zwischendurch waren wir noch in George Town. Die Stadt ist sehenswert und hat einen europäischen Charme.


Als nächstes stand die Rennstrecke in Sepang auf dem Plan. Zwar habe ich keine Ahnung vom Rennsport, trotzdem wollte ich dort unbedingt hin. Als Stifte bekamen wir eine Playstation2 geschenkt, wo jene Rennstrecke unser Lieblingtrack bei Formel1 war.


Das riesige Gelände ist von einem Zaun eingefasst, welcher von etlichen Security’s bewacht wird. Am Haupteingang nahm uns ein Wärter zunächst unsere Euphorie, als er meinte, dass nur das Museum zugänglich sei. Immerhin kostet es keinen Eintritt. Das Museum ist relativ langweilig, da bis auf ein paar Exponate nur malaiische Fabrikate zu sehen sind. Wir waren die Einzigen dort und ich fragte den Museumsaufpasser, ob wir uns nicht auf dem Gelände mal ein bisschen umgucken könnten. „Klar, aber bloß nicht auf die Rennstrecke laufen! Heute ist Training.“ Das muss man uns nicht zwei mal sagen und so startete unsere dreistündige Erkundungstour.




Von außen bewacht wie Fort Knox, sind drinnen alle Zäune, Tore und Türen aufgeschlossen. Wir beobachteten 2 Mercedes AMG GT3, die ihre Runden zogen und als wir gerade schon gehen wollten, entdeckten wir einen Tunnel, der unter der Rennstrecke rüber zum Gebäude führt. Aus dem Keller ging es erstmal die Treppe hoch. Vor der Tür saß ein Security, der uns ganz sicher nicht weiter gelassen hätte. Im Treppenhaus machten gerade zwei Typen Pause. Irgendwelche Gastarbeiter, jedenfalls keine Malayen. Wir waren ihnen völlig egal, also ging es die Treppe rauf, wo die VIP-Lougen sind. Die nächste Treppe ging es runter und wir landeten vor den Boxen. Nach weiteren 100 Metern kamen wir dann beim trainierenden Team an. Victoria hatte erst Schiß sich zu zeigen, aber die Jungs interessierten sich nicht für uns und ließen uns alles inspizieren.






Zum Schluss meinte der Security vom Anfang, der uns eigentlich nur ins Museum lassen wollte, mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Very long time.“
Weiter geht es mit der Verschiffung unseres Autos. Wer sich die folgenden Karte anschaut wird sehen, dass Südostasien eine Sackgasse ist. Umgeben vom Meer führt der Landweg entweder durch China oder Myanmar.

In Myanmar hat sich die Lage in den letzten Monaten drastisch verschlechtert. Seit 1962 ist das Land unabhängig, hat es aber seit dem nie geschafft eine demokratische Regierung zu bilden. Momentan ist die Junta, ein Militärregime, Machthaber und wird versucht von Revolutionären zu stürzen. Die Lage im Land ist sehr unsicher und die Grenzen sind für ausländische Zivilisten geschlossen.
In China müssten wir Richtung Westen durch die Problemregionen Tibet und Xingjang. Dafür bräuchten wir neben einer Sondergenehmigung wieder einen Guide. Der ist sauteuer. Dazu kommt, dass die meisten Grenzen eh erst im April öffnen, wenn die Straßen im Himalaya wieder befahrbar sind.

Also haben wir uns dafür entschieden unser Auto von Kuala Lumpur, genauer gesagt Port Klang, nach Chennai an die Westküste Indiens, in einem Container zu verschiffen, um von dort aus mit dem Auto weiterzufahren. Darum kümmert sich mittlerweile seit Monaten ausschließlich Victoria. Es ist ein Nischengeschäft und Informationen findet man nirgends. In Facebookgruppen wie z.B „Overlander in Asia“ tummeln sich einige Verrückte, die soetwas bereits gewagt haben. Dadurch ließen sich nach und nach Kontakte zu Reedereien, Spediteuren, Agenturen und Zöllnern herstellen. Am Ende hat Madam so viel heraus bekommen, dass wir auswählen konnten, mit wem wir verschiffen.


Der kleine Mann auf dem Bild ist Bernhard. Natürlich ist das nicht sein echter Name. In Asien hat jeder Geschäftsmann einen westlichen Namen. Selbst Kassierer in Geschäften, oder Zöllner im Hafen von Südkorea haben Namensschilder mit fiktiven Namen.
Bernhard arbeitet für ein Unternehmen, was den Schiffstransport von Privatgütern organisiert. Er hat den Container bestellt und in das Warehouse liefern lassen. Ein Mitarbeiter keilte das Auto aus und zurrte es fest. Am nächsten Tag kam der Zoll zur Abnahme und bestätigte, dass unser Auto das Land offiziell verlässt. Sowohl für die Einfuhr nach Malaysia, als auch Indien benötigt man das Zolldokument „Carnet des Passages (CdP)“. Darüber habe ich in einem Russlandbeitrag schonmal geschrieben. Vom Warehouse wurde der Container dann zum Hafen gebracht und aufs Schiff verladen. Das Ganze kostet 1226€ , wovon 540€ für den Container fällig sind. Das Warehouse kostet 240€. Der Rest sind Zollgebühren(240€) und Bernhard’s Teil (206€). In Indien wird dann nochmal eine Gebühr von 240€ fällig, womit die Verschiffung ungefähr 1500€ kostet. In chinesischer Manier wurden wir nach erfolgreicher Abwicklung des Geschäfts noch zum Essen eingeladen.

Um Geld zu sparen, aber vor allem auch um etwas über Malaysia’s Kultur zu erfahren, haben wir uns für die Zeit ohne Auto, wieder bei Couchsurfing angemeldet.

Ganz rechts im Bild unser Gastgeber Asri. Er kam kürzlich von einer 9 monatigen Europa+Marokko Reise zurück und fing direkt damit an, sich als Host (Gastgeber), zur Verfügung zu stellen. Neben ihm steht sein kleiner Bruder Hakim, der mindestens genauso viel Zeit mit uns verbracht hat. Er ist der jüngste Sohn der Familie, hat 2 Kebab-Läden (inkl. Handyreperatur) und Friseur ist er auch noch. In muslimischer Tradition wird er das Elternhaus erben, aber auch die Pflicht, sich um sie zu kümmern. Sein Traum ist eines Tages nach Saudi-Arabien bzw. Mekka zu reisen. Jeder Muslim der es sich leisten kann, sollte einmal im Leben dagewesen sein. Dann darf man auch seinen Namen ändern. Hagi [Hadgschi] Hakim wäre das in seinem Fall.


Am ersten Abend kam direkt seine ganze Familie, um die Deutschen kennenzulernen. Unser Haus war in der Mitte, umgeben von 5 anderen Häusern, in denen ausschließlich Familienmitglieder wohnen. Alle hörten uns gespannt zu, wie wir mit Asri erzählten, ehe sein Cousin aufstand und meinte, wir sollen auf die für morgen anstehende Hochzeit mitkommen. Er ist der älteste Cousin und darf dies somit entscheiden. Am Abend brachte noch jemand dieses schöne Kleid für Victoria. Für mich ging es in Hochwasserhose und zwar schicken, aber auch zu kleinem Hemd zur Hochzeit. Unsere Familie stand dem Ehepaar nicht besonders nah, also war die Hochzeit nach einer Stunde schon wieder vorbei. Man geht nur zum Essen hin und macht schnell Platz für die Nächsten. Man schenkt ausschließlich Geld, welches man zwischen Daumen und Zeigefinger hält und beim Handschlag in mafiöser Art übergibt.

Nach der Hochzeit ging es mit Akim, dem Jüngsten, in ein Café. Dort trafen wir den Imam des Dorfes. Neben dem Bürgermeister genießt er das höchste Ansehen. Er fragte mich was meine Religion sei. Für die Leute hier ist es extrem schwer zu verstehen, dass wir an nichts glauben. Im Alter von 7-12 besuchen hier alle nachmittags, von Mo. bis Fr., eine weitere Schule, wo nur Islam gelehrt wird. Wer diese Schule gut abschließt, qualifiziert sich für eine weitere muslimische Schule.
Was wir an den Leuten hier so schätzen ist, dass niemand, wirklich niemand bis jetzt versucht hat uns zu bekehren, oder uns ihre Meinung aufzuzwingen.

Oft können wir über viele Aussagen nur (innerlich) den Kopf schütteln. Jedoch respektiert man sich hier auf ganz hoher Ebene, auch wenn jemand eine andere Meinung hat. Die Leute hier beten 4x am Tag. Das erste Mal früh um 4. Danach gehen sie wieder schlafen. Das Gebet dauert nur 5-10 Minuten. Danach üben sie eine Art Meditation, wo jeder in sich kehrt und überlegt, wie er ein besserer Mensch sein kann. Das lässt die Leute hier zu unglaublich sympathischen und ausgeglichen Zeitgenossen werden. Der liebevolle Umgang untereinander überwältigt uns. Dieses Verhalten haben wir bis jetzt nirgendwo gesehen.

Später sehen wir diesen Post vom Imam, der uns eine gute Reise wünscht. Die Smileys auf dem Bild bedecken unsere nackten Körperteile. Gegen diese Art Islam wirkt das, was in Deutschland von einigen praktiziert wird, als billiger Pseudo-Abklatsch. Waffen sind hier verboten, wobei ohnehin niemand ein Messer bräuchte, um seiner Meinung Nachdruck zu verleihen. In der Türkei z.B. gehen die allermeisten Moslems lediglich Freitags einmal in die Moschee. Hier sind es 4x täglich. Freitags ist der heilige Tag im Islam, weil dort der erste Prophet Allah’s geboren wurde. Sein Name war Mohammed. Niemand weiß wie er aussah, aber jeder stellt ihn sich in vollendeter Schönheit vor. Als die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ die Mohammed Karikaturen veröffentlichte, beleidigte man damit Millionen Muslime weltweit. 2015 wurden dafür in Paris 11 Redakteure und etliche Polizisten aus Rache getötet.
Es können gerne die Muslime ihre Moschee in Deutschland bauen, wenn die Gemeinde es selbst bezahlt. Ich meine, was ist dabei? Jedoch funktioniert der Islam in Deutschland nicht annähernd so wie hier in Malaysia, da die Leute eine andere Kultur haben. Zwischen Kultur und Religion liegt ein riesiger Unterschied. Deutschland hat es verschlafen seinen Gästen die Grenzen aufzuzeigen und zahlt dafür die Quittung. Integration heißt nicht, die Leute gewähren lassen und sie mit Geld zuzuscheißen, wie es bei uns gemacht wurde. Dann passiert das, was nun eingetroffen ist. Es entsteht eine undurchsichtige Parallelgesellschaft. Wer den Islam in Deutschland praktizieren will, kann das gerne machen. An oberster Stelle steht aber das deutsche Gesetz und nicht die Scharia. Wer dagegen verstößt, kann gerne die Heimreise antreten. Genauso würde ich sofort die Grenzen schließen. In jedem anderen Land ist es gängige Praxis. Auch am Flughafen ist es völlig normal, zuerst zur Passkontrolle zu gehen. Sollte das passieren, sollten alle Schäfchen gezählt, registriert und vorallem markiert (Fingerabdrücke) werden. Jeder der nach Malaysia kommt hat die Amtssprache zu lernen und zu sprechen. Der Islam ist grundsätzlich eine friedliche Religion. Das haben wir hier gelernt. Jedoch gibt es Muslime auf der ganzen Welt und in verschiedenen Kulturen, was Gefahren für unsere Gesellschaft mitbringt, da ein Nordafrikaner oder Uzbeke oder Indonesier total unterschiedlich sind, obwohl sie alle Muslime sind.

„Kauft nicht bei Juden!“ 2023 Edition. Die Solidarität mit Palästina ist auch hier, genau wie in allen islamischen Ländern riesig. Konzerne die sich solidarisch mit Israel zeigen, werden boykottiert. Oft werden wir mit einem Hitlergruß begrüßt. Die Leute feiern Deutschland total, dass 6 Mio. Juden auf „unser“ Konto gehen. Die Moslems sind riesige Antisemiten. Dazu kommen Regeln wie, dass Männer 4 Frauen haben dürfen. Schwulsein und LGBT sind verboten. Neben einer hohen Geldstrafe muss man zur Umerziehung. Mann darf seine Frau maßregeln, also verprügeln. Genauso dürfen Kinder in der Schule geschlagen werden. Wenn die Haare über die Augen reichen, darf der Lehrer sie abschneiden. Ein Lehrer im Dorf ist dafür bekannt, die Schüler ins Ohr zu schneiden. Wenn ich eine Frau gut finde, kann ich als Mann zu ihrem Vater gehen und mit ihm klären, ob ich sie heiraten darf. Da hat die Gute überhaupt nichts zu melden. Thema Zwangsehe. Ich glaube viele Leute die meinen, jeder darf nach Deutschland kommen (Refugees welcome), wissen gar nicht, was teilweise abgeht auf der Welt. Das sind alles Sachen, die uns die Leute im Dorf erzählt haben und die Malayen sind noch die humansten. Auch wenn zu uns alle super nett sind. Das sind einfach Sachen die will ich in Deutschland nicht.

Wenn wir gerade dabei sind etwas kontrovers zu sein. Der Wohlstand der Bevölkerung lässt sich an dem Gewicht der Menschen messen. Thailand und Malaysia mit den verhältnismäßig wohlhabenden Menschen, hat ganz offensichtlich die meisten Fettis. Auch in Deutschland kann man das ganz klar erkennen. Mit 50 Jahren sind ja 20kg mehr völlig legitim. Aber das ist es eben nicht. Jetzt werden sich einige denken, der Rotzer soll erstmal in mein Alter kommen. Stimmt schon, wer weiß. Wir haben aber gesehen wie es sein kann. Dann treffen sich halt in China, Korea, Japan usw abends mal eben 100 Rentner auf einem Platz und machen Sport zusammen. Jetzt aber zurück ins Gampon. (Malayisch für Dorf)

Abends kamen immer Freunde zu Besuch. Jungs in unserem Alter. Die hatten alle Jobs und rauchten wie die Stadtsoldaten. Sie waren sehr interessiert an uns und stellten viele Fragen. Bald kamen wir uns jedoch vor , als würden wir mit ein paar pubertierenden Jungs da sitzen. Es kamen fragen wie: „wie muss ich mich verhalten, dass mich Frauen gut finden?“ Oder „was ist Frauen wichtig?“ Bei unseren Antworten brach dann schüchternes Gekicher aus. Da Sex erst nach der Eheschließung erlaubt ist, sind viele Jungs mit knapp 30 Jahren noch Jungfrau. Sprachlos waren wir, als erst 2, später 3 ihre Shirts auszogen und anfingen sich zu massieren. Was in Deutschland unter meinen Freunden definitiv sofort als schwul abgestempelt wäre, ist hier völlig normal.


Bei den vielen Verboten kann man mal eine Ausnahme machen. Gelegentlich darf es auch hier mal eine Friedenszigarette sein. Wir hatten eine tolle Zeit bei Asri und seinem Bruder Hakim. Weiter ging es vom einfachen, traditionellen Dorf in die reichste Wohngegend Malaysia’s. KLCC alias Petronas Towers.

Für eine Woche ging es zu Chen. Er ist 47 und chinesischer Abstammung, geboren in Malaysia. Chen ist Doktor und hat nach dem kostenlosen Studium erstmal 5 Jahre für ein staatliches Krankenhaus gearbeitet. Das ist Pflicht. 2014 übernahm er seine erste Klinik für plastische Chirurgie. Inzwischen hat er 5 Kliniken, 9 Doktoren und 60 Mitarbeiter. Arbeiten ging er noch nie gerne. Er hat seine Manager, die sich um alles kümmern, sodass er nur selten in die Praxis muss. Momentan ist er dabei, alles zu verkaufen. Für umgerechnet 8Mio.€. Das ist in Malaysia eine Menge Geld, aber der Preis ist ihm noch zu gering.

Unser Gastgeber ist seit 4 Jahren mit Erry (links) und seit 2 Jahren mit Fitri zusammen. Die Jungs haben eine 3er Beziehung, in der Chen den Ton angibt. Fitri wurde letztens der Blinddarm rausgenommen. Für eine Woche Krankenhaus inkl. Medikamente und Essen musste er umgerechnet 14€ bezahlen. Für über 60 jährige und Behinderte ist das Krankenhaus gänzlich kostenlos. Der Mindestlohn liegt bei 300€. Der Durchschnittslohn bei 400€.

2 Minuten neben KLCC hat er eine Wohnung. Da er das nötige Kleingeld und vorallem genug Zeit hat, besteht sein Tag aus Sprachunterricht, Musikschule, Kunstunterricht, Sport, Pilates usw. Danach geht es immer irgendwo zum Essen. Sie kochen nie. Da wird nur die Küche dreckig.
Für 7 Tage sind wir in das Leben der 0,0001% eingetaucht. Jeden Tag waren wir bei irgendwelchen Sehenswürdigkeiten, Theme-parks, Escape-Rooms, Travestieshows und Gay-Partys.
Er lädt sich gerne Leute ein und schließt Freundschaften. Chen hat eine sehr selbstbewusste, aber immer freundliche Art. Er ist sich nie zu fein, um mit den Kellnern, Taxifahrern oder Parkboys zu schnattern. Jeder Straßenmusiker und Bettler bekommt Geld von ihm.








Victoria und ich hatten noch nie Probleme mit Schwulen. Wer mal ein bisschen Zeit mit ihnen verbringt merkt schnell, dass die super drauf sind. Wie Waschweiber wird da den ganzen Tag rumgetrascht und Spaß gehabt. Chen hatte schon etliche Couchsurfer zu Besuch. Wir waren aber die ersten, die er überall hin mitnehmen konnte. Er war stolz auf seine „Caucasian’s“ und hat jedem unsere Geschichte erzählt, was uns natürlich stolz gemacht hat.
Kuala Lumpur (wobei hier jeder nur KL sagt) ist vielleicht auch wegen Chen für uns die schönste Stadt bis jetzt. Er hat uns Orte gezeigt, wo sonst keine Ausländer hinkommen würden und uns an Plätze mitgenommen, die wir uns nie hätten leisten können. Es war wie Urlaub auf der Reise.
Ende Juli sind wir mit den Jungs in Berlin zum Christopher Street Day (CSD), der Schwulenparade, verabredet.

Für die gesamte Zeit ohne Auto brauchten wir nie eine Unterkunft buchen und sind immer bei Leuten untergekommen, die sich um uns gekümmert haben. Jetzt geht es weiter nach Indien, wo wir auch einen Gastgeber haben werden. Malaysia war ursprünglich nie ein Ziel auf unserer Reise. Jetzt nach 5 Wochen wissen wir über das Land mehr, als über die meisten anderen. Wir hatten eine super Zeit hier. Terima Kasi.