
Sowohl auf der chinesischen Seite, als auch hier, auf der Laotischen, wurde unser Auto nicht durchsucht. Zum ersten Mal mussten wir ein „visa on arrival-VOA“ beantragen. Wie der Name es schon sagt, gibt es das Visa bei der Ankunft für 40$. Bereits in Ulaanbaatar haben wir uns $-Noten besorgt. Diese müssen neu und unbenutzt sein, sonst werden sie nicht akzeptiert.


Als erstes fielen uns die schlechten Straßen auf, da wir nun durch China etwas verwöhnt waren. Auch die Häuser sind meist notdürftig zusammengeschustert. Laos ist bis jetzt das ärmste Land unserer Reise. Dementsprechend günstig sind auch die Preise. Eine SimKarte mit 100GB Datenvolumen kostet umgerechnet 4€. Der Wechselkurs beträgt 1€=22.540 lao. Kip. Mit 50€ ist man hier also Millionär.


Die ersten Tage verbrachten wir noch mit Eddi, dem sympathischen Engländer/Estländer, mit dem wir durch China gefahren sind. Es gibt hier nur eine Sorte Bier, BeerLao. Hopfen und Malz dafür werden aus Deutschland importiert. Die 0,66L Flasche kostet 70Cent. Dafür, dass die Laoten so arm sind, trinken sie eine Menge Bier. Ist aber auch sehr lecker.
Der Norden von Laos ist ganz klar in chinesischer Hand. Zwar stehen die Menschen hier den Chinesen kritisch gegenüber, trotzdem ist fast jeder Laden und jedes Restaurant chinesisch. Innerhalb von 5 Jahren bauten die Chinesen zuletzt eine Bahnstrecke von Kunming nach Vientiane (414km), der Hauptstadt von Laos. Dafür musste Laos einen riesigen Kredit bei China aufnehmen. Zwar bringt die Bahn nun viele chinesische Touristen nach Laos, die seien aber sehr geizig und bringen sogar ihr eigenes Essen mit. Außerdem trauen sie sich abends nicht raus. Viele Chinesen wurden wohl in Laos schon gekidnappt. Der Kredit für das 5,7Mrd. $ Projekt tilgt Laos mit Bodenschätzen. Nach Japan, Simbabwe und Griechenland ist Laos dadurch nun, das am viertstärksten verschuldete Land der Welt.

Trotzdem sind die Menschen hier lebensfroh. Kinder auf Fahrrädern sehen wir nie. Zur Einschulung bekommt man offenbar einen 125ccm Roller.



Teilweise lässt sich erahnen, wie es hier mal ausgesehen haben muss, bevor man den Jungle rigoros abholzte. Beim Baden im Wasserfall setzte sich ein Wassertropfen in meinem Ohr fest, welches sich schnell entzündete. Das erste Mal auf der Reise bin ich krank. Durch eine Mittelohrentzündung wird alles zur Tortur.

In einem Krankenhaus, was Belgien gestiftet hat, bekam ich Antibiotikum. Die Einrichtung und Werkzeuge glichen zwar Antiquitäten, jedoch war ich froh, Hilfe zu bekommen. 8,10€ kostete die Behandlung und Medizin. Anstatt zu heilen, entzündete sich kurze Zeit später auch das andere Ohr.



Als wir durch die Berge Richtung Vientiane fuhren, überholten wir 3 Fahrradfahrer. Einer von ihnen war ein Deutscher aus Hamm in NRW. Er hat beim Springerverlag gelernt. Danach flog er mit seinem Fahrrad im Gepäck nach Australien. Von dort aus radelt er nun allein nach Deutschland. Ziemlich mutig für einen 21-jährigen. Am Abend trafen wir uns mit ihm. Bier und Antibiotikum sind bekanntlich eine wunderbare Mischung, um Schmerzen für eine Weile zu vergessen. Er hatte auch einiges zu berichten.

In Vientiane klapperten wir ein paar Konsulate ab, aber dazu später mehr. Außerdem waren wir in einem Museum mit angrenzendem Krankenhaus für Invaliden, welches sich mit den Folgen des Vietnamkrieges beschäftigt. Die Ammis, welche damals in Thailand stationiert waren, zerbombten neben Vietnam eben auch Laos und Kambodscha. Viele der Bomben liegen noch heute als Blindgänger im Boden, was dazu führt, das weite Teile des Landes unbrauchbar sind. Laos ist das Land auf der Welt, in dem die meisten Bomben jemals gefallen sind.


Für uns war es schwierig in der Hauptstadt einen ruhigen Platz zum Verweilen zu finden. Außerdem gibt es in Vientiane an jeder Kreuzung kleine Hütten, in denen Polizisten sind. Sehen die ein fremdes Nummernschild, wird man kontrolliert. Dann gibt man den Führerschein ab und bekommt ihn gegen Bargeld wieder. Mal sind wir angeblich links abgebogen, als man zu dieser Uhrzeit nicht links abbiegen hätte dürfen. Ein anderes Mal sind wir angeblich ohne Licht gefahren. Ich fahre immer mit Licht. Der Preis ist jedoch auf Verhandlungsbasis. Wir haben kaum Bargeld im Portemonnaie, um dann zu zeigen, man hat nichts. Manchmal haben sie Einsicht. Polizisten verdienen in Laos und Kambodscha extrem wenig, weil der Staat, welcher selbst korrupt ist genau weiß, dass sich die Bullen ihr Geld anders holen.

Genervt von Polizei und der Mittelohrentzündung ging es dann nach Thailand. Die haben vor kurzen ihre Einreiseregeln fürs PKW’s geändert, wodurch viele Reisende in Panik verfallen und sich vorab sämtliche Dokumente besorgen. Alles halb so wild, wie immer in Thailand. Es liegt alles an der Grenze aus und für eine Gebühr von 10€ darf man mit dem Auto rein. Zum ersten Mal Linksverkehr. Mein Co-Pilot muss vor dem Überholen schauen, ob frei ist. Alles entspannt.


An unserem Auto sind einige Sachen zu reparieren. Die Ersatzteile haben wir von Deutschland aus (Danke an die Homebase), nach Thailand schicken lassen. Eine nette, befreundete Frau unserer Familie, die Lebiener werden sie kennen, kommt ursprünglich aus dem Norden Thailands. Wir haben das Päckchen zu Ihrer Mutter geschickt. Porto waren keine 20€ und es dauerte auch keine 2 Wochen ehe es da war. Sowohl deutsche Autos als auch Ersatzteile sind ungefähr 8 mal teurer, als in Deutschland. An der Grenze schätzen die Zöllner bei der Deklaration den Wert unseres Auto auf 60.000$.


Das Ohr wurde immer schlimmer. Mittlerweile war ich komplett taub und eine gelbe Flüssigkeit lief heraus. Nach einer schlaflosen Nacht verließen wir die Familie, um früh um 7 als Erstes im staatlichen Krankenhaus Udon Thani zu sein. Das zahlte sich aus. Als 3. kamen wir dran. Später waren im zehnstöckigen Gebäude mehrere tausend Menschen. Für 17€ bekam ich eine professionelle Behandlung in der HNO- Abteilung und eine ganze Palette Medikamente. Besonders gut gefiel mir die Anrede. Mehrmals schallte per Lautsprecher „Master Yanik Zimmermann“ über den Flur.

Während des Wartens gesellte sich dieser 80-jährige zu uns. Er diente der US-Airforce, als diese in Thailand stationiert war. Er sprach gebrochenes englisch. Wir fragten ihn, ob er jemanden kennt, der Mercedes reparieren kann. Und, wie hätte es auch anders sein sollen. Sein Neffe arbeitet bei Mercedes. Im Konvoi ging es in die Werkstatt. Sein Fahrstil und verbeultes Auto beschrieben ihn ganz gut. Zwar sagten wir ihm mehrmals, dass wir nicht in eine offizielle Mercedeswerkstatt wollen (zu teuer), jedoch fanden wir uns später, in genau solch einer wieder. Unser Glück war, dass man dort nur die eigenen Ersatzteile einbaut. Wir bekamen eine neue Adresse, wo man uns helfen könnte.
Angekommen bei der Adresse war jedoch keine Werkstatt, sondern eine Art Großküche wo ausschließlich verwunderte Frauen anzutreffen waren. Diese verstanden uns jedoch nicht. Uns wurden Stühle und Wasser geholt und wir sollten warten. Eine Frau, die englisch konnte, kam. Ungefähr 10 Frauen standen nun um uns und überlegten, wen wir meinen könnten. Ein junger Tellerwäscher wurde dazu beordert, uns in eine Werkstatt zu geleiten.


Nach dem unsere, offensichtlich passenden Ersatzteile begutacht wurden, machten sich 2 sehr freundliche Männer ans Werk. Ich kenne es selbst von Baustelle. Das Schlimmste ist, wenn der Bauherr hinter einem steht und einem auf die Finger schaut. In Asien ist das anders. Uns werden Stühle geholt und wir schauen zu. Nachdem der Chef nur noch alleine war, half ich etwas mit. Zwar hab ich keine Ahnung, aber gefallen daran, was über mein Auto zu lernen. Außerdem weiß ich, dass wer eine Schraube in der Hand hat, als nächstes Schrauber inkl. passender Nuss braucht. Ein guter Handlanger bestimmt schließlich das Tempo des Meisters.

Wir verstanden uns prächtig und was er für 6 Stunden Arbeit verlangte, würde in Deutschland nicht mal für eine Stunde reichen. Zum Schluss fragte er uns, ob wir nicht zum Abendessen bleiben wollen. Es kämen ein paar Freunde.


Per Lieferservice kam ein komplettes BBQ auf dem Roller. Die Kohle im Ofen brannte schon. Unser neuer Freund ist das Oberhaupt von den „Enduro-Freunden Udon Thani“. Diese machen am Wochenende ihren vierteljährlichen Campingausflug in den Bergen und hätten uns gerne dabei. Wir mussten, trotz der 300 Kilometern Umweg, nicht lange überlegen und sagten zu.



Mittlerweile ging es meinem Ohr besser. Locker 25 Personen der „UdonThani-Enduro-Familie“ trafen sich auf einem über 1000m hohen Berg. Endlich mal etwas Abkühlung. Uns wurde vorher mehrfach gesagt, wir sollen nichts mitbringen, hatten dann aber immerhin eine Flasche Whiskey und ein paar Flaschen Soda mitgebracht. Das trinkt man hier so.






„Thailand, Land des Lächelns.“ Nach einem feucht fröhlichen Wochenende ging es dann weiter Richtung Kambodscha.

Im Gegensatz zur laotischen Polizei braucht man bei den Thais keine Angst vor Willkür haben. Eine letzte Kontrolle, bei der es natürlich keine Probleme gab und wir fuhren nach Kambodscha.
Klasse👍. LG aus Nordthailand
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