Nachdem ich in einem Russland-Forum über unser Eindrücke schrieb, meldete sich ein Deutscher bei mir, welcher in Ulaanbaatar lebt. Nachdem wir eine Weile schrieben, lud er uns zu sich nach Hause ein. Eigentlich wollten wir uns nur mal auf ein Bier treffen und ein bisschen schnattern.

Walter stammt ursprünglich aus Baden-Württemberg. Beim Studium in Greifswald lernte er dann Bora kennen. Sie ist Mongolin. Die beiden lebten erst zusammen in Irland, ehe sie nach Ulaanbaatar zogen. Mittlerweile sind sie stolze Eltern von Zwillingen.

Bereits am ersten Abend merkten alle, dass wir ziemlich gut harmonieren. Sie luden uns ein länger zu bleiben. Wir hatten eh Zeit, da unsere Chinareise erst in 2 Wochen los ging. Victoria beschäftigte sich viel mit den Kindern und ich war eine Art Hausmeister. Was wirklich schön war, nach langer Zeit mal wieder was zu schaffen. Unsere Gastgeber gaben sich große Mühe, uns ihre Stadt und Kultur zu zeigen.



Wir sind den beiden wirklich dankbar, dass sie uns die schönen Seiten der Mongolei zeigten. Zuerst hatten wir gar keine Lust, wieder in die Mongolei zu „müssen“. Nach 2 Wochen war es dann schon fast ein trauriges Abschiednehmen. Danke Walter und Bora, dass ihr uns aufgenommen habt.




Von Ulaanbaatar bis an die chinesische Grenze sind es 650km. Dabei streift man den östlichen Rand der Wüste Gobi. Manche Leute sind ja fasziniert von einer Wüste. Für uns ist das eher trostlos und so ziemlich das Langweiligste was es gibt.
Da wir nun verstehen, dass die Hektik und Aufdringlichkeit, also damit meine ich dieses extrem nah an einen heran kommen, normal in der Mongolei ist, war der Grenzübertritt sehr gelassen. Anstatt unser Auto zu kontrollieren, schauten sich die mongolischen Zöllner lieber unsere Fotowand an und beschäftigen sich damit unsere Fähnchen zu erraten. Im Reisepass stempeln die Mongolen auf der letzten Seite.
Dann ging es rüber auf die chinesische Seite. Gemeinsam mit Eddie (Eduard, 32, gebürtig aus Estland, seit seinem 13. Lebensjahr jedoch in London) und Patrick (32, gebürtiger Rhein-Hesse und Wahlberliner).
Die sympathischen chinesischen Zöllner kontrollierten zwar sporadisch unser Gepäck, halfen aber gleich mit es wieder vernünftig einzupacken. Der Pass-Scanner funktionierte nicht, sodass es ziemlich lange dauerte uns zu registrieren. Nach ein paar beherzten Schlägen ging es dann irgendwie doch. „Made in China“ halt. Victoria nahm den separaten Eingang für die Passagiere.

Um mit dem eigenen Auto durch China reisen zu dürfen braucht man einen Guide. So ließt man es zumindest in sämtlichen Ratgebern und Online-Foren. Wobei es Aufpasser eher trifft, als Guide. Es gibt verschiedene Agenturen, die diesen Service anbieten. Es ist eine festgelegte Route. In unserem Fall von der Mongolei nach Laos. Um sich die enormen Kosten zu teilen, ist es besser sich als Gruppe zusammen zutun. Unser Anteil lag bei 2.200€. Das ist die größte Rechnung unserer bisherigen Reise.
Victoria und ich haben uns jedenfalls dieser Gruppe angeschlossen. Umso erstaunter waren wir an der Grenze, wo zeitgleich mit uns noch eine andere Gruppe die selbe Tour startete. Ein Schweizer Pärchen und ein Saudi fahren mit einer anderen Agentur. Zwar hätten wir über 500€ sparen können, wenn wir alle zusammen mit einer Agentur gefahren wären, das scheiterte jedoch an der Sturköpfigkeit der jeweiligen Initiatoren. Den konkurrierenden Agenturen wird es herzlich egal sein.


Unsere Aufpasserin/Guide hieß Ying Chu. Eine sehr nette und vorallem hilfsbereite Frau. Unser Auto wurde zum Packesel umfunktioniert, damit Ying Chu mit auf Patrick’s Motorrad passt. Hätte sie ihr eigenes Fahrzeug gefahren, wäre es nochmal bedeutend teurer geworden. Da die Motorräder schneller sind, fahren wir tagsüber separat, ehe wir uns abends an deren Hotel treffen, um das Gepäck zu übergeben. Danach suchen wir uns einen Schlafplatz.

Bevor man nach China kommt, muss man sich das chinesische VPN (Clash) herunterladen. Denn selbst Google und WhatsApp, aber auch Insta, FB und Youtube sind gesperrt. (VPN simuliert dem Handy, dass man in einem anderen Land ist, z.B Deutschland und so alle verboten Internetseiten benutzen kann). 100GB Datenvolumen bekommt man zwar für umgerechnet 7€, durch das VPN ist die Geschwindigkeit aber ziemlich gedrosselt. A-Map ist das chinesische Google Maps, bloß besser. Es zeigt z.B wie lange Ampeln noch rot/grün sind. Was das Fahren um einiges besser macht. Sowieso sind Sekundenzähler an Ampeln eine Sache die unbedingt bei uns eingeführt werden sollten. Ebenso, dass man immer rechts abbiegen darf. Also an jeder Kreuzung ist hier ein imaginärer güner (Blech)-Pfeil.

1€=7,8Yuan. Wobei man Bargeld nicht braucht. In China wird alles mit dem Handy bezahlt. WeChat heißt die App, womit hier alles erledigt wird. Ähnlich wie WhatsApp kann man mit seinen Kontakten schreiben, aber eben auch bezahlen. Man verifiziert seine Kreditkarte+Reisepass. Jeder hat hier seinen eigenen QR-Code, wirklich jeder. An diesen schickt man dann Geld oder empfängt welches. Ein Vorgeschmack darauf, wie es ganz sicher auch in Deutschland irgendwann kommen wird.

Um den chinesischen Führerschein und das Nummernschild hat sich die Agentur gekümmert. Das konnten wir einfach bei der Verkehrspolzei abholen.

Und dann ging es los. Wir waren sehr erstaunt, wie ordentlich hier alles ist. Die Straßen sind in einem extrem guten Zustand. Die Chinesen bauen ja auch gerade auf der ganzen (östlichen) Welt ihre Infrastruktur aus (wobei arme Länder hohe Kredite aufnehmen). Jedoch muss man einfach anerkennen, dass sie das wirklich gut können. Und wer jetzt kommt mit: „aber die machen das unter schrecklichen Arbeitsbedingungen!“ Fahrt aufn Balkan, oder nach Russland und guckt euch die Baustellen an, dagegen hat China eher die Sicherheitsstandarts von Deutschland.

Der Norden Chinas heißt innere Mongolei. Ziemlich unspektakulär. Danach kommt man in die Region Shanxi, wo 1/3 der chinesischen Kohle gefördert und verarbeitet wird. Die Sichtweite beträgt hier teilweise unter 2 Kilometer. Fährt man dann auf einen Berg, sieht man dann die Städte in einem tiefen, gelblichen Nebel liegen. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele LKW’S gesehen. Das Atmen fällt hier schwer. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass sich jeder, der in Deutschland der Umwelt zu Liebe auf E-Mobilität, Wärmepumpen, Solar, etc. setzt, sich auf die Schulter klopfen kann, aber solange die restliche Welt einen Schei* auf Umweltschutz gibt, sich nichts ändern wird. Im Gegenteil.

Ähnlich sieht es auch beim Müll aus. Dieser wird hier nicht getrennt (da sind die Chinesen aber nicht die Einzigen). Was zuviel Platz in der Tonne, wenn denn eine da ist, wegnimmt wird vor Ort verbrannt. Ähnlich läuft das auf Rastplätzen oder generell häufig. Dort stehen dann betonierte Zylinder und wenn diese voll sind, werden sie angezündet. Im Prinzip ist es auch egal, ob es nun auf der Deponie brennt, oder woanders. Aber wie gesagt, da sind die Chinesen nicht die Einzigen.



Die chinese Mauer. Mit 21.196km das längste Bauwerk der Welt. Zwar nicht so schön restauriert wie der Abschnitt nahe der Hauptstadt Beijing (ehemals Peking), trotzdem sehr beeindruckend.

Neben der „GreatWall“ waren wir natürlich wieder die Attraktion für die Leute. Am Anfang der Chinareise war es noch ganz lustig sich wie ein Prominenter zu fühlen. Schnell wurde das aber sehr nervig. Vorallem wenn man heimlich gefilmt wird. Egal wo man hingeht. Beim Einkaufen, auf der Straße,beim Tanken, einmal werden wir sogar ausgebremst, nur damit der jenige ein Foto machen kann. Das war wirklich das Nervigste, weil die Menschen ansonsten sehr nett und lustig sind.

Sobald man dann in die Mitte des Landes kommt, wendet sich das Blatt allmählich. Der leichte Nebel ist zwar immer noch unnatürlicher Art, aber landschaftlich wird es um einiges angenehmer. Es wird auch viel angepflanzt und aufgeforstet. Jetzt wo der Mais geerntet wird, werden die Standstreifen umfunktioniert. Zwar gibt es eine Maschine, welche lediglich die Kolben erntet, das „abpolken“ ist dann aber Handarbeit und Frauenarbeit.

Insgesamt kann man sagen, dass die Frauen in Asien ein extrem hohes „Standing“ haben. Was das angeht dürfte jedoch die Mongolei Spitzenreiter sein. Dort gab es schon Proteste von Männern, die für Gleichberechtigung kämpften. Der Ursprung der „Frauenpower“ liegt im Reiche Dschingis Khan’s. Als dieser mit allen Männern loszog, blieben die Frauen zu Hause und verteidigten, vergewaltigten und töteten Angreifer. Heute sind Männer zwar oft auf dem Papier der Chef, die Geschäfte machen aber weiterhin die Frauen.



Auch wenn Wörter wie Urlaub, Wochenende und Rente hier Fremdwörter sind, ist trotzdem ein Unterschied zum „Westen“ spürbar. Es ist unmöglich Europa mit Südostasien zu vergleichen. Das ist eine andere Welt. Mit der Geburt hat man quasi schon seinen Job im Familiengeschäft sicher. Jeder hat hier 2-3 finanzielle Standbeine. Und neben der Arbeit ist immer Platz für andere Sachen. Außerdem ist immer Geld für Zigaretten da, wobei die Schachtel hier auch mindestens 2,50€ kostet. Der Durchschnittslohn liegt bei 220€. Wobei das hier noch schwieriger zu ermitteln ist, als in Deutschland. Schließlich sollte man demnach in good old Germany 3.200 Schleifen monatlich raus haben.





Je weiter wir Richtung Süden fahren, umso ausgefallener wird das Essen. Ein Filet vom Schwein oder Rind gilt als langweilig. Die Leute bevorzugen eher ausgefallene Sachen. Schweineschwanz oder Schweineohr, Schildkröte, Frosch, Kücken, sämtliche Insekten usw. Außerdem sieht man immer öfter auf den Schildern den besten Freund des Menschen. Nachbars Lumpi hat es in China nicht leicht. Katzen werden jedoch verschont.


Supermärkte wie man sie aus Europa kennt gibt es nicht. Man kauft alles auf der Straße, an Ständen. Die Auswahl ist riesig. Obst und Gemüse ist extrem lecker und vorallem billig. China ist sowieso das bisher günstigste Land auf unserer Reise. Wobei wir meistens kochen. Man kann auch sehr günstig essen gehen, aber da weiß man nie was man bekommt.


Beim Essen sitzt man meistes mit in der Küche und eine Speisekarte gibt es auch oft nicht. Man geht an den Kühlschrank und zeigt, was man haben will. Also kochen können die Chinesen und das Chillipulver steht separat auf dem Tisch, sodass man die Schärfe selbst dosieren kann. Sie selbst essen extrem scharf.
Zwar sind wir in 22 Tagen 4300km gefahren, oft sind wir aber trotzdem mit den tollen Leuten in Kontakt gekommen. Durch Zufall hörten wir irgendwo Live-Musik. Wir halten an und finden uns auf einer Beerdigung wieder.





Die Zeremonie dauert 6 Tage. Dabei wird der aufgebahrte Leichnam nie allein gelassen. Auch Nachts ist immer jemand bei ihm. Sofort wurden uns Stühle geholt und wir bekamen einen Tee und eine Zigarette in die Hand (um Freundschaft zu schließen raucht man in China zusammen eine).
Als wir nach einer viertel Stunde wieder fahren wollten, klopfte der Sohn des Toten an die Scheibe und meinte, sie machen noch ein Feuerwerk für uns. Als das vorbei war sollten wir noch zum Abendessen bleiben.
Dann ging es zum Leichenschmaus, wo später 15 Mann um uns standen und guckten wie wir mit Stäbchen essen. (Nach 6 Monaten Asien passt das schon).
Ursprünglich aus dem Bambusrohr gebaut, rauchen die Leute im Süden überall Wasserpfeifen. Jeder hat eine. Da auf Drogenbesitz mit unter die Todesstrafe steht, rauchen die Leute nur Tabak, angeblich.

Polizist mit ner Bong. Gibt’s auch bloß in China.

Ansonsten sind Polizisten in China ziemlich selten anzutreffen. Einer der Motoradfahrer wurde einmal angehalten, um ein Selfie mit dem Verkehrspolizisten machen zu müssen. Soldaten salutieren vor uns. Und Checkpoints gibt es nur im Süden vereinzelt. Dort wird dann lediglich das Visum kontrolliert. Es ist wie in jedem anderem Land. Als Gast sollte man gernell aufpassen, was man sagt. So ist es auch in China. Die Illusion, dass am nächsten Tisch ein Spion sitzt und mithört ist totaler Quatsch. Generell wird nirgends soviel über Politik debattiert, wie in Deutschland. Woanders ist man sich einfach einig, dass alle Schei*e sind. Selbst unser Guide äußerst sich öfters unerwartet kritisch.




Beim letzten Bild sieht man neben Eddi (links, ein sehr angenehmer Zeitgenosse), rechts im Hintergrund Annika und Andreas. Letzterer lebt seit 10 Jahren in China und kam für die Großhandelskette „Metro“ hier her. Es gibt Leute, denen kann man stundenlang zuhören. So einer war er auch. Wir erfahren von ihm mehr über China, als in 3 Wochen von unserem Guide. Übrigens waren die beiden die einzigen Nicht-Chinesen die wir im Reich der Mitte treffen.

Dann war unsere gemeinsame Chinareise auch schon vorbei. Gerne hätten wir mehr Zeit im Land verbracht, aber wir mussten uns dem Zeitplan der Agentur fügen. Mit unserer Gruppe haben wir uns ganz gut arrangiert, jedoch ist das unabhängige Reisen um einiges angenehmer. Mit dem Auto durch China war trotzdem einer der Höhepunkte auf unserer Reise. Zum Abschluss kommen noch ein paar Bilder. Grüße aus Laos und bis zum nächsten Mal.


























































Super👍. Ich war das erste Mal 1996 durch China geradelt, danach noch ein paar Mal und beruflich auch. Insgesamt etwa 2 Jahre dort verbracht. Es war mal mein Lieblingsland zum Reisen.
Dann sehen wir uns ja bald😉. Fliege in 10 Tagen von Bishkek nach Bangkok mit dem Radl.
LG Rene
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Hi Rene
Bis nach Bangkok wollen wir eigentlich nicht mehr. Wir fahren bloß in den Norden um etwas am Auto reparieren zu lassen. Dann Kambodscha, Vietnam und gucken wie wir Richtung Europa zurück kommen.
Wie ist dein Plan ?
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Ich werde wohl erst Richtung Norden radeln und dann über Laos, Vietnam und Kambodscha zurück, eventuell im April noch einen Freund auf den Philippinen besuchen. Werde wohl sicherlich 5 Bus 6 Monate in der Gegend sein.
LG Rene
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Hallo, habe alle eure Beiträge mit Spannung und Freude gelesen und warte gespannt auf weitere. Euch noch eine schöne Reise und beste Wünsche fürs neue Jahr. Wir müssen noch sparen und wollen nach unserem Arbeitsleben auch so Reisen. Noch 10 Jahre bis dahin 😉
Gruß Udo
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